Zukunftsstadt Finsterwalde – Ideen und „Spinnereien“ erwünscht

Auch in der zweiten Wettbewerbsphase sollen Anregungen und Kreativität der Bürgerinnen und Bürger „Trumpf sein“

 Zum 1. Stadtdialog im Oberstufenzentrum Finsterwalde waren etwa fünfzig Interessierte aus der Bürgerschaft, der Stadtverordnetenversammlung und der Presse gekommen. Nachdem  die Sänger sie mit einer neu angepassten Strophe des Sängerliedes empfingen,  begrüßte Bürgermeister Jörg Gampe alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer und forderte sie gleich zu Beginn auf, sich weder vor Ideen noch vor „Spinnereien“ zu scheuen. In seiner kurzen Ansprache hob er ein bereits vorhandenes Leuchtturmprojekt der Sängerstadtregion hervor: die Stadthalle, die in den kommenden Jahren gebaut werden soll.

Torsten Drescher, Wirtschaftsförderer der Stadt Finsterwalde, erklärte in seinen einführenden Worten, was im Wettbewerb Zukunftsstadt „bisher geschah“ und erinnerte an die drei offenen Stadtdialoge, die bereits in der ersten Wettbewerbsphase, die die Sängerstadt erfolgreich absolvierte, stattgefunden hatten. Dabei war es vor allem um die Findung von Ideen gegangen - eine Vision für Finsterwalde als lebenswerte, moderne Stadt im Jahr 2030+ sollte geschaffen werden.

In der nun eröffneten zweiten Phase steht die Planung der Umsetzung auf der Wettbewerbsagenda. Es muss ein Konzept für die Sängerstadtregion erarbeitet werden, das im April 2018 der Jury vorgelegt wird - aus „Spinnereien“ sollen Pläne werden. Die besten Konzepte erreichen die nächste Wettbewerbsphase und damit die Möglichkeit, ihre geplanten Projekte mit Hilfe von Fördermitteln in siebenstelliger Höhe umzusetzen. Diese Fördermittel für die Sängerstadtregion zu sichern, ist das erklärte Ziel von Mathias von Popowski, der als geschäftsführender Gesellschafter der complan Kommunalberatung das Projekt betreut. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen, dem Verein „Generationen gehen gemeinsam“ G3 e.V. und natürlich den Bürgerinnen und Bürgern sowie Bürgermeister Jörg Gampe und Wirtschaftsförderer Torsten Drescher arbeitet er im Projekt, um der Sängerstadtregion den Einzug in die nächste Wettbewerbsphase zu sichern und sie bundesweit noch bekannter zu machen. Bereits jetzt schaut man aus den Großstädten des Ruhrpotts, aus Halle und den weiteren Konkurrenzstädten auf die Kleinstadt im Süden Brandenburgs.

Um die Anforderungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu erfüllen, werden in dieser Phase vier Fokusgruppen gebildet, in denen Ideen und ein Konzept zu den jeweiligen Wettbewerbsansprüchen produziert werden sollen. complan und dem Verein G3 ist es gelungen, bestens geeignete Fokusgruppensprecher zu gewinnen, die die jeweiligen Gruppen in den kommenden Monaten führen und mit ihrem Fachwissen unterstützen sollen. Die Fokusgruppe I „Leuchttürme in der Sängerstadtregion“ wendet sich unter der Leitung von Torsten Drescher vor allem an Kunst, Kultur und Händler. Sie greift die wirtschaftlichen Aspekte und Potenziale der Region auf und erarbeitet dazu innovative Vorschläge, die den Stärken der Region entsprechen und die Identifikation der Bürger mit ihr betonen sollen. Ulrich Witt, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft Finsterwalde (WoGe), und René Junker, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Finsterwalde (WGF), bilden die Spitze der zweiten Fokusgruppe „Wohnlabor in der Innenstadt“. Die bestimmenden Themen werden die sich immer weiter verändernden Wohnformen und Diversifizierung sowie die weiteren Bauprojekte in der Finsterwalder Innenstadt sein. „Wir als Wohnungswirtschaft sind gespannt und voller Vorfreude.“, sagte René Junker, nachdem die beiden Fachmänner sich und den Schwerpunkt ihrer Arbeitsgruppe vorgestellt hatten. Visionäre wird es in der Fokusgruppe III  „Kreativzentrum für junge Familien“ brauchen, denn sie hat nur wenige bereits vorhandene Anknüpfungspunkte. Dass das mehr Chance als Hürde sein soll, wird bei der Vorstellung der Gruppe durch Sven Guntermann sofort klar. Beim ersten Treffen der Gruppe, das bereits am 2. Mai stattfinden soll, geht es direkt los. Fokusgruppensprecher Sven Guntermann vom Verein G3, an dessen Seite zukünftig auch Architekt Clemens Habermann agieren wird, nannte als bisherige Ideen: ein Zentrum für Freiberufler, start-ups und Kreative, das moderne, digitale Arbeitswelt und Kinderbetreuung so kombiniert, dass die Ansprüche der künftigen Arbeitswelt erfüllt werden könnten. Das Tüpfelchen auf dem metaphorischen „i“ soll eine universitäre Außenstelle sein, die Schülern und Studenten in der Region eine Heimat gibt und Fachkräfte so in der Region ausbilden und halten soll.  Auch die vierte Fokusgruppe, die von den beiden Geschäftsführern der Stadtwerke Finsterwalde GmbH, Andy Hoffmann und Jürgen Fuchs, geleitet werden wird, hat sich hohe Ziele gesteckt. Sie suchen nach Mitwirkenden und Ideengebern zum Thema „Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen – Smart City“. Die großen Worte „Digitalisierung“, „Elektromobilität“ und „Smart Home“ stehen im Raum. Vor allem junge Leute sind dazu aufgerufen, sich mit ihren Ideen, seien sie auch noch so „verrückt“ zu beteiligen. Die technischen Voraussetzungen seien bei den Stadtwerken bereits vorhanden, erklärte Jürgen Fuchs. In den Finsterwalder Schulen hat man den Ball bereits aufgegriffen. Es gibt digitale Klassenzimmer, in denen die Schüler mit modernster Technik arbeiten und den Umgang mit ihr lernen können.

Prof. Dr. Harald Kegler gab einen Überblick über die Konkurrenzstädte und warb für eine Kooperation – man könne sicher einiges voneinander lernen, ohne sich gegenseitig Ideen zu stehlen. Besonders Städte mit anderen demographischen Hintergründen und Entwicklungstendenzen seien interessant. Dass am Ende des Abends keine leidenschaftliche Debatte über Sinn und Unsinn der einzelnen Fokusgruppen entbrannte, lag sicher nicht zuletzt an der Masse von Informationen. Diskussionen rund um die Ausgestaltung der einzelnen Themen wird es auf jeden Fall in den einzelnen Fokusgruppen geben, denen sich jeder gern anschließen kann. Sie werden sich in den kommenden Wochen treffen und ihre jeweiligen Themen in Angriff nehmen. Beim zweiten Stadtdialog, der voraussichtlich am 5. Juli stattfinden soll, lassen sich die Ergebnisse dann bestens diskutieren – denn die Frage: „Wie wollen wir in der Sängerstadtregion in den nächsten Jahren leben?“ geht jeden an.

Insgesamt umfasst der Wettbewerb „Zukunftsstadt“ drei Phasen: von der Entwicklung einer Vision über die Planung der Umsetzung bis hin zur Umsetzung selbst. In der 1. Phase wurden insgesamt 51 Städte, Landkreise und Gemeinden aus dem gesamten Bundesgebiet für die Teilnahme ausgewählt. Sie standen vor der Aufgabe, konkrete Handlungsempfehlungen und Umsetzungsvorschläge für die Zukunft ihrer Kommune zu erarbeiten.

Mit ihren Ergebnissen konnten sie sich für die zwei Phase des Wettbewerbs bewerben. In Juli 2016 wurden durch eine unabhängige Expertenjury 23 Städte, Landkreise und Gemeinden ausgewählt, um ihre Visionen in umsetzungsreife Konzepte zu überführen – darunter auch Finsterwalde. 2018 erhalten dann bis zu acht Kommunen die Chance, die von ihnen entwickelten Ideen und Konzepte in die Realität umzusetzen.

Partner des Wettbewerbs sind der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und der Deutsche Landkreistag. Der Wettbewerb ist Teil der Leitinitiative „Zukunftsstadt“ des Rahmenprogramms „Forschung für Nachhaltige Entwicklungen“.

 

 

 

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Paula Vogel
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